Sonnenenergie nutzen aber richtig
Über 200 solarthermische Anlagen sind mittlerweile in Bürstadt in Betrieb – Tendenz steigend. Die Sonne deckt klimaneutral und kostenlos im ganzjährigen Mittel knapp die Hälfte des warmen Brauchwasserbedarfs eines Haushaltes. Die Wärmegewinnung mit Sonnenenergie ist eine ausgereifte Technologie und schon seit Jahrzehnten erfolgreich im Einsatz. Dennoch gibt es gerade im Anlagenbetrieb zahlreiche Optimierungsmöglichkeiten, um den Ertrag zu maximieren. Schließlich soll die Umweltschutzinvestition auch die bestmögliche finanzielle Rendite bringen.
Eine häufige Fehlerquelle sind falsch angebrachte Temperaturfühler. Sitzt der Messfühler am Solarspeicher nicht richtig in der Hülse, werden zu niedrige Temperaturen registriert. Dann heizt nicht der Sonnenkollektor den Speicher, sondern die teuer erzeugte Wärme wird zum Kollektor aufs Dach gepumpt. Eine genaue Kontrolle ermöglicht der Einbau eines Wärmemengenzählers. Damit lässt sich der Wärmeertrag dokumentieren und eventuelle Störungen schnell erkennen.
Ein weiterer Problempunkt ist Luft in den Leitungen zwischen Wärmespeicher und Kollektor. Dies bewirkt eine Leistungsminderung, da die Zirkulation der Solarflüssigkeit reduziert wird. Entlüfter am höchsten Punkt der Leitungen schaffen Abhilfe. Da hier sehr hohe Temperaturen auftreten, müssen die verwendeten Bauteile extrem hitzebeständig sein. Besonderer Wert sollte auf eine lückenlose Dämmung der Solarkreisleitungen gelegt werden. Viele Solaranlagen verlieren die Hälfte ihres Ertrags über das Leitungssystem. Natürlich gilt es auch den Solarspeicher mit all seinen Rohrleitungsanschlüssen rundum gut zu dämmen.
Die Sonne kann bis zu 50 % des Warmwasserbedarfs abdecken - der Rest muss immer noch „konventionell“ nachgeheizt werden. Erfolgt dies über einen im Speicher eingebauten Elektroheizstab, droht das den Umweltnutzen der Anlage zunichte zu machen – ganz abzusehen von einer hohen Stromrechnung. Der geeignete Weg ist daher mit dem vorhandenen Kessel nachzuheizen. Die optimale Abstimmung zwischen Solar- und dem normaln Heizsystem entscheidet maßgeblich über den wirtschaftlichen Betrieb. Reicht die Sonnenkraft nicht aus, registriert die Regelung den Temperaturrückgang im Solarspeicher und gibt das Startsignal für den Heizkessel. Das geschieht vollautomatisch und genau hier lauert ein häufiges Problem. Ist der Speicher beispielsweise nach der Wasserentnahme für das morgendliche Duschen abgekühlt, darf sich der Heizkessel nicht sofort automatisch zuschalten. Damit wird ungewollt verhindert, dass die Sonne tagsüber ihre kostenlose Leistung erbringen kann, da der Speicher ja schon die notwendigen Temperaturen aufweist. An den meisten Heizkesselregelungen können diese Nachheizzeiten eingestellt werden. Wird warmes Wasser hauptsächlich morgens und abends gebraucht, reicht es meist aus, wenn der Heizkessel nur abends einmal kurz anspringt. Die Solaranlage hat dann tagsüber genügend Zeit, um den Speicher wieder vollständig aufzuladen.. Die Nachheiztemperatur des Warmwassers sollte nicht zu hoch eingestellt werden. Eine Temperatur von 45 bis 55 Grad Celsius genügt in der Regel.
Bei ausreichend dimensionierter Kollektorfläche (1,5 m² Flachkollektor pro Kopf), empfiehl es sich im Sommer den Heizkessel einfach abzuschalten. Die ist die wirkungsvollste Funktionskontrolle für eine Solaranlage. Spätestens, wenn das Wasser nach einem Sonnentag nur lauwarm aus dem Wasserhahn kommt, sollte eine Überprüfung der Anlage erfolgen. Sinnvoll ist jedoch eine regelmäßige Kontrolle durch den Fachmann, beispielsweise während der jährlichen Wartung des Heizkessels.
Leider werden solarthermische Anlagen zur ausschließlichen Brauchwassererwärmung nach der neuen BAFA-Richtlinie vom 12. Juli 2010 nicht mehr vom Bund gefördert. Eine Bezuschussung ist nur noch in Verbindung mit einer solaren Heizungsunterstützung möglich.
Weitere Informationen zu diesem Thema gibt es beim Umweltbeauftragten der Stadt Bürstadt (H. Jost, Tel.: 06206/701-235; E-Mail: micha.jost@buerstadt.de).
Informationen zu den aktuellen Förderrichtlinien und -möglichkeiten finden Sie unter http://www.kfw.de/, http://www.bafa.de/, oder http://www.foerderdata.de/
Weitere Energiespar-Informationen auch unter www.energiesparaktion.de/.