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3.7.2010

Raiffeisens Erben - Runder Tisch diskutiert über Genossenschaftsmodelle zur Umsetzung regenerativer Energieprojekte in Bürstadt

Michael Diestel erklärt die Vorzüge einer Energiegenossenschaft

Für das zweite Treffen am 29.06. hatten sich die Teilnehmer des „Runden Tisches Energie“ im Briebelsaal des Caritas-Zentrums einen Fachmann in Sachen Energiegenossenschaften eingeladen. Michael Diestel, Geschäftsführer des Kreisbauernverbandes des nordbayrischen Landkreises Rhön-Grabfeld referierte über die erfolgreiche Arbeit der „Friedrich Wilhelm Raiffeisen Energiegenossenschaften“.

Als Einstieg in seinen Vortrag gab Diestel einen kurzen Einblick in das Leben und Wirken des visionären Namenspatrons aus dem Westerwald, dessen Gedankengut gerade in der Finanzkrise eine neue Renaissance erlebt. Raiffeisen hatte in Zeiten bitterer Not den Gedanken der wirtschaftlichen Solidarität mit der regionalen Wertschöpfung verbunden und damit um 1864 die Genossenschaftsbank erfunden. Mit seinem Credo „Was der einzelne nicht schafft, das schaffen viele“ und „das Geld des Dorfes dem Dorfe“ brachte Friedrich Wilhelm Raiffeisen seine Prinzipien auf den Punkt.

Michael Diestel präsentierte diese Gedanken in modernem Gewand. Die Menschen im Landkreis Rhön-Grabfeld investieren seit knapp 2 Jahren über Genossenschaften in sinnvolle Projekte der regenerativen Energieerzeugung vor Ort. Dieses Geld kommt der Region zu Gute, stärkt den Klimaschutz und bringt zusätzlich ordentliche Rendite. So gesehen ist dies auch ein Instrument der Wirtschaftsförderung für den strukturschwachen Landkreis. Mit Photovoltaikanlagen haben die Genossenschaften ihre ersten guten Erfahrungen sammeln können.

„Wer in einem Gebäude wohnt, arbeitet, lernt, spielt oder betet, soll sich beteiligen können und von den Erträgen des Sonnenstroms profitieren. Damit vermeiden wir eine Neiddiskussion und fördern den Zusammenhalt der Bürgerschaft“, erklärte Diestel das Grundprinzip. Das Projektspektrum reicht somit von Solaranlagen auf Kirchengebäuden bis hin zu Firmenhallen oder großen Freilandanlagen. Das Genossenschaftsmodell ist dabei für eine Beteiligung von „Normalverdienern“ ideal geeignet, weitaus besser, als eine GmbH oder eine Gesellschaft Bürgerlichen Rechts.

Nach nur 2 Jahren Arbeit ist die Bilanz mehr als beeindruckend. Insgesamt wurde ein Volumen von 5 Millionen Euro von 241 Genossenschaftlern gestemmt. Mittlerweile zählen sogar Biogasanlagen und die Nahwärmeversorgung zu den Geschäftsfeldern. Diestel sieht dabei in dem offenen Beteiligungsmodell noch einen besonderen Vorteil: “Diese Strukturen entwickeln einen regelrechten Hunger nach Projekten.“Die Idee ist im Landkreis Rhön-Grabfeld auf dem Weg zu einer regelrechten Bürgerbewegung. Mittlerweile gibt es hier schon fünf Energiegenossenschaften.

Diestel ermutigte zur Gründung einer eigenen Energiegenossenschaft. „Es kann nicht sein, dass die 1.000 Bewohner aus meiner Heimatstadt Großbardorf intelligenter sind, als die 16.000 Bürstädter. Das geht bei Ihnen mit Sicherheit auch“, so die motivierenden Worte des bayrischen Experten.

Der Runde Tisch zeigte sich von dieser Erfolgsgeschichte aus Bayern sichtlich beeindruckt. In der anschließenden Diskussion wurden die Chancen, aber auch Hemmnisse und Problempunkte des Genossenschaftsmodells erörtert. Einige Wortbeiträge ließen erkennen, dass der Vortrag einige Teilnehmer regelrecht mit der Idee infiziert hatte. Auch die anwesenden Energieversorger machten aus ihrer Sympathie für solche Konzepte keinen Hehl und sahen dabei auch Kooperationsmöglichkeiten.